Die Innere Erde – Der Heiler

Bewusstlos lag ich neben meinem besten Freund, dem uralten Drachen, auf einem großen Berg in der Inneren Erde, umringt von großen Bäumen. Die Sonne schien durch die Zweige hindurch.

Ich wollte mich an meinen Freund anlehnen, ihn fühlen, damit er mich beruhigte, so wie ich es immer tat, wenn es mir nicht gut ging. Aber ich war zu schlapp. Ich lag wie ein nasser blasser Mehlsack neben ihm und konnte mich keinen Millimeter bewegen. Ich hatte einfach zu viel Blut verloren. Ich hatte keine Kraft mehr. Mein Bewusstsein verschwand. Als ich die Augen wieder öffnete, sah ich den großen Krieger hinter mir, der meinen Drachenfreund immer ritt und mit ihm über die Berge durch die Innere Erde flog. Er nahm mich kleines Wesen vorsichtig in seine riesigen Hände, als wären seine Hände eine Schale, auf der ich gerade so Platz finden konnte. Und er legte mich auf den Rücken seines Drachen. Wer bist du, fragte ich noch halb schlafend. Arthur, antwortete er. Wie kannst du Arthur heißen, wenn du doch so groß bist? Dies passt nicht zu dir, antwortete ich. Er lachte. Nur weil eure Geschichten auf der Erde so ungewöhnlich sind und du einen kleinen Arthur kennst, heißt es nicht, dass dies immer alles wahr ist. Die Geschichten auf eurer Erde oben führen euch sehr oft in dir Irre. Ihr müsst noch vieles lernen dort oben. Sehr vieles. Der Krieger stieg auf seinen Drachen und schien fliegen zu wollen. Aber wie sollte ich mich dort halten können, wo ich kaum Kraft hatte, die Augen offen zu halten?

Sie muss dringend zu einem Heiler, sagte der Krieger. Halt dich fest. Und er flog los.

Aber wie sollte ich mich festhalten? Ich hatte meine Kräfte verloren. Ich bekam Panik. Ich fühlte mich wie Nebel, der jeden Moment vom Rücken des Drachen rutschen konnte. Du bist stark, rief der Drache laut in meinem Kopf. Du gehörst zu den Stärksten unter euch. Halte dich fest. Du schaffst das. Halte dich fest. Ich bin stark, wiederholte ich in meinen Gedanken. Ich bin stark und ich schaffe es. Ich krallte mich mit meiner letzten Kraft am Drachen fest. Vermutlich wirkten meine Finger wie Fliegenfüße auf der Haut des Drachen, so leicht, wie ich im Gegensatz zu den Beiden war.

Wir flogen über die Berge und Wälder. Ich verlor wieder mein Bewusstsein. Als ich aufwachte, lag ich bereits auf einer riesigen für mich viel zu großen Trage aus braun/grünem Leder von zwei Stangen rechts und links gehalten. Ich kam mir verloren vor auf dieser Riesenfläche. Neben mir hörte ich den Krieger mit einem weißen schlanken Mann reden, der lange weiße glatte Haare hatte und zu mir sorgenvoll blickte.

Halt mich fest, sagte ich zu meinem Drachenfreund, als ich ihn neben mir sah. Bitte lass mich nicht allein. Ich hatte Angst. Sie waren alle so groß hier und fremd. Wir müssen nach oben fliegen, auf die Erdoberfläche, um zu helfen. Wir können nicht bei dir bleiben. Er ist ein Heiler. Er wird dir helfen können, meinte der Drache zu mir. Und außerdem ist dein Babydrache direkt neben dir und passt auf dich auf. Er ist immer bei dir und passt auf dich auf, auch wenn du ihn nicht immer sehen kannst. Ich blickte auf die Seite und sah ihn. Ich hielt meine Hand sofort zu ihm gestreckt und wollte ihn berühren, ihn spüren, einfach eine bekannte Seele neben mir haben, das beruhigte mich jetzt. Aber ich war nicht ruhig. Ich verlor Blut. Ich sah wohl nicht gut aus. Die besorgten Gesichter um mich herum sprachen Bände.

Der Krieger flog mit seinem großen Drachen davon.

Ich lag allein auf dieser Liege und neben mir ein alter großer weißhaariger Mann, der fragend von einer Tinkturflasche zur anderen schaute, die am Fußende auf einem Tisch nebeneinander standen. Es waren kleinere und größere Flaschen, mit rundem Bauch und schmalem Hals nach oben. Sie schienen alle geöffnet zu sein, als würden sie jede Minute gebraucht werden.

Der Heiler entschied sich für eine größere bauchige Flasche, die eine weißliche Flüssigkeit enthielt. Wer bist du, fragte ich ihn. Ich bin Armin. Armin, wiederholte ich. So ähnlich. Unsere Namen kennst du in deiner Sprache nicht. Daher übersetzt dein Gehirn es anders. Aber du kannst mich gerne Armin nennen. Ich werde dir jetzt eine Heilflüssigkeit geben und schauen, wie sie bei dir wirkt. Es sieht nicht gut aus, fragte ich ihn, bei seinem Anblick. Noch nicht. Aber du wirst es schaffen. Du bist ein starker kleiner Mensch. Ihr seid alle so klein dort oben, weil ihr euch so klein denkt, daher sind eure Körper auch so mini klein. Eigentlich seid ihr viel größer. Dies wird sich auch in Zukunft bei euch ändern. Ihr werdet nicht so klein bleiben. Eure Körper begrenzen euch zu sehr in euren Leben, in eurem Fortkommen.

Ich verlor wieder langsam mein Bewusstsein. Ich sah gerade noch, wie der Heiler anfing, die Flüssigkeit über meinen Körper fließen zu lassen, anstatt sie mir zum trinken zu geben.

Als ich wieder wach wurde, lag ein kleiner Nebel um meinen Körper herum, fast so, als wäre ich in einem unsichtbaren rechteckigen Kasten, deren Ecken aber abgerundet waren. Der Nebel hielt sich quasi an meinem Körper fest. Dieser Nebel beruhigt dich und heilt dich, meinte der Heiler, der direkt neben mir stand.

Ich bin der vollkommen beherrschte Atem in meinem Körper. Ich bin der vollkommen beherrschte Atem in meinen Körper. Ich versuchte mich mit diesen Sätzen zur Ruhe zu bringen und hielt meinen Bauch fest, der immer noch etwas schmerzte. Ich bin der beruhigende heilende Nebel in meinem Körper, änderte ich plötzlich meine Suggestionen in meinem Kopf, die mir helfen sollen, mich zur Stille zu bringen. Stille heilt. Das wusste ich. Ich bin der beruhigende heilende Nebel in meinem Körper, wiederholte ich in meinem Kopf immer und immer wieder. Du bist ein kluger Mensch, sagte der Heiler. Du weißt dich selbst zu heilen. Eure Gedanken führen euch sehr oft in die Krankheit dort oben auf der Erde. Ihr müsst lernen, eure Gedanken zu kontrollieren. Werde dir bewusst, dass deine Hände dich heilen können. Befehle deinen Händen, dich zu heilen, sagte der Heiler nun zu mir. Ich befehle meinen Händen, mich jetzt sofort zu heilen und meine Blutung zu stoppen, sagte ich einmal und zweimal und noch einmal. Ich gebiete der Ich bin Gegenwart in mir die Blutung sofort zu stoppen, wiederholte ich nun. Der Heiler lächelte mich an. Du schaffst es. Du hast einen sehr starken Willen.

Ruhe dich aus. Ich werde nach den anderen sehen. Nein, schrie ich. Lass mich nicht allein. Wieder gewöhnte ich mich gerade an eine fremde Person dort unten und der Heiler wollte nun auch gehen. Ich fühlte mich immer noch fremd und etwas ängstlich zwischen den riesengroßen Wesen dort. Der Heiler rief ein kleines Mädchen heran. Pass auf sie auf. Sie braucht dich jetzt. Und er ging.

Das kleine Mädchen sah nicht wirklich so klein aus, wie die Mädchen bei uns auf der Erdoberfläche. Hier unten war es etwas größer. Alles war irgendwie größer. Ich bin Aria, sagte sie. Ich bleibe bei dir, bis es dir besser geht. Ihre Stimme beruhigte mich irgendwie. Sie sah süß aus in ihrem Kostüm. Lederriemen liefen über ihren Körper. Sie sah fast aus, wie die Tochter eines Kriegers, nur eben etwas kleiner als diese. Lange unendlich viele Zöpfe hingen an ihr kunstvoll verknüpft herunter. Sie setzte sich im Schneidersitz neben mich und beobachtete meinen kleinen Körper, als wäre ich ein Sonderling, etwas, was sie noch nicht sah. In der Schule bringen sie uns bei, wie wir euch heilen können, sagte sie dann zu mir. Wenn ihr eure Gedanken ändern würdet, wärt ihr heil, wie wir. Aber ihr wollt eure Gedanken einfach nicht ändern. Ihr scheint euch in euren Gedanken wohl zu fühlen, sagte sie. Es ist oft auch unser Unterbewusstsein, was uns mehr als alles andere schadet, meinte ich zu ihr. Die meisten von uns wissen nicht einmal, was für schlimme Wörter unser Unterbewusstsein ständig von sich gibt und in unsere Welt manifestiert. Wie können wir unser Unterbewusstsein ändern, fragte ich sie. Oh dies lernen wir morgen in der Schule. Ich kann es dir dann sagen, wenn du möchtest. Sie wirkte so niedlich und unschuldig und doch voller großem Wissen, obwohl sie noch so jung war. Oder war sie es nicht? Wer weiß, wie alt ihre Seele wirklich schon ist.

Ich wurde immer ruhiger. Der heilende Nebel wirkte wie ein Schlafmittel für mich. Ich schlafe gleich ein, sagte ich zu ihr. Sehen wir uns morgen wieder, fragte sie mich. Ich weiß es nicht, meinte ich. Ja vielleicht. Sie lächelte in freudiger Erwartung, mich wieder zu sehen. Ja ich freute mich. Sie strahlte so eine Freude aus, dass ich einfach mit lächeln musste. Und ich schlief ein. Es war ein heilender Schlaf. Als ich wieder wach war, fühlte ich mich in völliger Ruhe und geheilt. Es schien, als hätte mir der Heiler all meine Sorgenpakete von meinem Rücken genommen.

Die Innere Erde ist ein heilsamer Ort für die Mutigen unter uns, die es wagen ihn zu besuchen.

Alles Liebe

Nicole

Anmerkung:

Unsere Gedanken sind die Brücke in alle Welten.

Wir sind grenzenlos.

Alles ist möglich.

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